29. Oktober 2020

Hausärztemangel

Junger Arzt Behandlung

iStock/FatCamera


Warum mangelt es in Deutschland so massiv an Hausärzt:innen, wo doch so viele junge Menschen Medizin studieren?

In den letzten Jahren entwickelte sich in der Bundesrepublik Deutschland und besonders in den ländlichen Regionen ein zunehmender Mangel an Hausärzt:innen. In Baden-Württemberg sind über 25 Prozent der Hausärzte älter als 60 Jahre. In vielen Regionen sind bereits jetzt zu wenige Hausärzt:innen vorhanden, um den Bedarf in allen Gemeinden zufriedenstellend decken zu können. Laut einer Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gab es im Jahr 2020 in etwa 7.000 Hausärzt:innen weniger als noch 2010. Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) bringt regelmäßig Versorgungsberichte heraus, welche die ärztliche Versorgung in Baden-Württemberg vor dem Hintergrund der gegenwärtigen und künftigen gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen dokumentieren.

Die Ursachen für den Hausarztmangel sind vielfältig. Eigentlich erfordern der medizinische Fortschritt und unsere alternde Gesellschaft mehr Allgemeinmediziner und Mittel zur ambulanten Versorgung der Patienten. Anfang der 1990er Jahre setzte die Politik aber wegen der explodierenden Kosten im Gesundheitswesen eine extreme Honorarkürzung durch. Für die ambulante Patientenversorgung stand nur noch ein begrenztes Honorarvolumen zur Verfügung und zwar unabhängig von Morbiditätsentwicklungen und dem Leistungsanspruch der Patienten.

Aber nicht nur das geringe Einkommen und die hohe Arbeitsbelastung, sondern auch das mangelnde Sozialprestige und die fehlende Infrastruktur im ländlichen Raum halten junge Mediziner:innen davon ab, sich für ein Leben als Hausärzt:in zu entscheiden. Besonders Frauen sehen wenige Möglichkeiten, den Hausarztberuf mit der Familienplanung zu vereinbaren. In Baden-Württemberg sind nur 34 Prozent der rund 6.800 zugelassenen Hausärzt:innen weiblich.

Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband hat sich deshalb in den letzten Jahren intensiv dafür eingesetzt, den Hausarztberuf wieder attraktiver zu gestalten. Die Einführung der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) hat zum Beispiel zu einer grundlegenden Änderung der Rahmenbedingungen der hausärztlichen Tätigkeit geführt. Auch die Förderung und Entwicklung neuer Kooperations- und Arbeitszeitmodelle lassen den Hausarztberuf wieder erstrebenswert erscheinen, zumal viele Gemeinden inzwischen mit einer familienfreundlichen Infrastruktur werben.

Auch der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg setzt sich für die Sicherstellung der flächendeckenden Grundversorgung mit Hausärzt:innen ein und hat zu diesem Zweck das Programm Perspektive Hausarzt Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Ziel der Initiative ist es, Medizinstudierende in ganz Deutschland vom Hausarztberuf zu begeistern, Ärzt:innen in Weiterbildung zu einer Niederlassung als Hausärzt:in in Baden-Württemberg zu motivieren und niedergelassene Ärzt:innen, Kommunen und Landkreise auf der Suche nach einem neuen Hausarzt zu unterstützen.


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