06. März 2026

Wahlarena: Klares Bekenntnis zur HZV

Video: Marvin Herzog / 24passion

Was erwarten Hausärzt:innen von der Landespolitik in der nächsten Legislaturperiode? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Wahlarena beim 24. Baden-Württembergischen Hausärztinnen- und Hausärztetag in Stuttgart. Kurz vor der Landtagswahl diskutierten die Vorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg (HÄVBW) mit den gesundheitspolitischen Sprecher:innen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen, SPD und FDP über verbandspolitische Forderungen und parteipolitische Vorhaben.
 

Vor rund 300 Gästen machten die HÄVBW-Vorsitzenden Dr. Susanne Bublitz und Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth deutlich, was sie bereits in der Hochphase des Wahlkampfs von der Landespolitik gefordert hatten: politische Rückendeckung für die HZV als bestehendes und erfolgreiches Primärversorgungssystem. Moderatorin Cornelia Wanke ordnete die Debatte ein: Mehr als 3,3 Millionen Menschen nehmen in Baden-Württemberg bereits an der HZV teil, zwei von drei Hausarztpraxen bieten sie an. Aus Sicht der HÄVBW-Doppelspitze zeigt das: Ein Primärversorgungssystem, wie es bundespolitisch diskutiert wird, ist in Baden-Württemberg bereits gelebte Realität.
 

Bekenntnis zur HZV – mit unterschiedlichen Akzenten

Entsprechend klar war die Frage an die gesundheitspolitischen Sprecher:innen Jochen Haußmann (FDP/DVP), Petra Krebs (Bündnis 90/Die Grünen), Dr. Michael Preusch (CDU) und Florian Wahl (SPD) aus: Werden Sie sich klar zur HZV als tragendem Primärversorgungssystem bekennen – und wie wollen Sie diese konkret stärken? Das Bekenntnis fiel parteiübergreifend unterstützend für die HZV aus – die Schwerpunkte unterschieden sich jedoch. Petra Krebs betonte die Bedeutung einer besseren Patient:innensteuerung und warb dafür, die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen. Dr. Michael Preusch verwies darauf, dass das Thema Primärversorgung im Koalitionsvertrag auf Bundesebene auch mit Stimmen aus Baden-Württemberg verhandelt wurde – und dass der Erfolg im Land maßgeblich an den handelnden Akteuren liege. Florian Wahl forderte, Baden-Württemberg als Blaupause für die HZV zu nutzen. Jochen Haußmann plädierte für ein Leitbild der Vertrauenskultur statt kleinteiliger Regulierung. Ein Bild, das auch die HZV lebt.
 

Niederlassung, Nachwuchs und Teamversorgung

Breiten Raum nahm die Frage ein, wie mehr Ärzt:innen für die Niederlassung gewonnen werden können. Prof. Dr. Buhlinger-Göpfarth verwies auf das IGES-Gutachten: Mehr Geld und eine gestärkte Rolle im Versorgungssystem seien entscheidend. Dr. Bublitz ergänzte, dass vor allem die Liquiditätsangst eine zentrale Hürde darstelle – hier müsse das Land Sicherheit schaffen. Dr. Preusch warb für die Förderung der Verbundweiterbildung, Krebs kündigte ein Wiedereinsteigerinnenprogramm mit Stipendien an und betonte die Notwendigkeit besserer Rahmenbedingungen, etwa bei der Kinderbetreuung. Wahl forderte mehr Ausbildungs- und Studienplätze. Ein zentrales Thema war auch die Versorgung im Team. Prof. Dr. Buhlinger-Göpfarth unterstrich, dass der HÄVBW mit der HZV seit 18 Jahren Delegation praktisch umsetzt. „Steuerung ist keine Zumutung, sondern eine Begleitung und Unterstützung im komplexen System", so die Verbandsvorsitzende. Krebs lobte das HÄPPI als besten Vorschlag für eine teambasierte Hausarztpraxis.

Digitalisierung und Bürokratieabbau

Einig waren sich die Diskutant:innen darin, dass Digitalisierung praxistauglich sein muss. Krebs forderte, die elektronische Patientenakte müsse funktionieren und kompatibel sein. Wahl kritisierte die mangelnde Verlässlichkeit digitaler Infrastruktur. Haußmann sprach sich für den Ausbau sektorenverbindender digitaler Strukturen und telemedizinischer Modellprojekte aus, die konsequent in die Regelversorgung überführt werden müssten. Dr. Bublitz mahnte zudem dringend die Digitalisierung von Pflegeheimen und Pflegediensten an. Wahl brachte die Forderung nach einem gemeinsamen Pakt für Entbürokratisierung auf den Tisch und sah hier auch das Land in der Pflicht, die relevanten Akteure einzuladen.

Publikum stimmt mit ab

Neben den gesundheitspolitischen Sprecher:innen war auch das Publikum per digitaler Abstimmung Teil der angeregten Debatte. Im Fokus standen dabei die Förderung von Berufsnachwuchs und Niederlassung, praxisnahe Digitalisierung und Bürokratieabbau, die Stärkung innovativer Versorgungsmodelle wie HÄPPI sowie die Patientenversorgung in Pflegeheimen. Am Ende der knapp zweistündigen Diskussion war klar: Auch nach der Wahl braucht es einen engen, kontinuierlichen Dialog. Denn gesundheitspolitische Weichenstellungen gelingen nur dann praxistauglich, wenn diejenigen mitgestalten, die die Versorgung täglich sichern – die Hausärztinnen und Hausärzte.

 

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