07. März 2026

Das war der 24. Hausärztinnen- und Hausärztetag

Foto: Ronny Zimmermann / 24passion 
Video: Marvin Herzog / 24passion

Nach zwei intensiven Tagen im Zeichen der Berufspolitik endete am Samstagnachmittag der 24. Baden-Württembergische Hausärztinnen- und Hausärztetag in Stuttgart. Kurz vor der Landtagswahl und mitten in der Debatte um ein verbindliches Primärversorgungssystem hatte der Veranstaltungshöhepunkt des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg (HÄVBW) unter dem Motto „Primärarztsystem HZV – einfach. perfekt. versorgt.“ besondere Brisanz.
 

Das Thema war topaktuell, der Zeitpunkt kurz vor der Wahl ideal und das Interesse groß: Weit über 500 Gäste kamen ins Mövenpick Hotel Stuttgart Messe & Congress, um sich fachlich fortzubilden, berufspolitisch zu orientieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. Im Folgenden ein Überblick über die Höhepunkte des diesjährigen Hausärztinnen- und Hausärztetags:

 

Neue Delegierte setzen politischen Kurs

Erstmals trat die Ende 2025 neu gewählte Delegiertenversammlung zusammen und machte gleich deutlich, worauf es in der aktuellen Debatte um eine Reform des Gesundheitssystems aus Verbandssicht ankommt: Primärversorgung muss verlässlich organisiert werden und die Hausarztpraxis gehört dabei ins Zentrum. Der HÄVBW positioniert sich mit seinem Leitantrag klar: Ein verbindliches Primärversorgungssystem darf nicht „irgendwo“ entstehen, sondern muss konsequent über die Hausarztpraxis als koordinierende Anlaufstelle gedacht und auf Basis der bewährten Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) umgesetzt werden.

> Alle Anträge und Beschlüsse im Überblick 

 

Doppelspitze bestätigt

Die Delegiertenversammlung setzte nicht nur inhaltliche Schwerpunkte, sondern entschied auch personell: Bei den Wahlen zum geschäftsführenden Vorstand wurde die Doppelspitze aus Dr. Susanne Bublitz und Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth mit großer Mehrheit wiedergewählt und das Team um die beiden Vorsitzenden ebenfalls geschlossen im Amt bestätigt. Zuvor zog der Vorstand gemeinsam Bilanz zur vergangenen Legislaturperiode. Im Mittelpunkt standen die enge Vernetzung mit der Politik sowie die Arbeit an zentralen Reformthemen – von Bereitschaftsdienst und Notfallversorgung über (Ent-)Budgetierung bis hin zur aktuellen Diskussion um ein verbindliches Primärversorgungssystem. Die Botschaft: Der Verband positioniert sich klar zu allen relevanten Themen.

> Mehr zur Vorstandswahl des HÄVBW

 

Erstmals vergeben: Dr. Berthold Dietsche Stipendium

Der 24. Baden-Württembergische Hausärztinnen- und Hausärztetag setzte in diesem Jahr auch ein Zeichen der Erinnerung und der gezielten Förderung: Im Gedenken an den verstorbenen Ehrenvorsitzenden Dr. Berthold Dietsche wurde das Dr. Berthold Dietsche Stipendium ins Leben gerufen – und nun erstmals verliehen. Ausgezeichnet wird damit besonderer Pioniergeist und außergewöhnliches Engagement für eine starke, zukunftsfähige hausärztliche Versorgung. Die Förderung umfasst 2.000 Euro monatlich über zwölf Monate. Erster Stipendiat ist Dr. Jürgen Ehret, der unmittelbar vor seiner Praxisgründung in Hechingen steht. Künftig soll die Vergabe jährlich im Rahmen des Hausärztinnen- und Hausärztetags stattfinden.

> Stipendium und Stipendiat

 

Wahlarena: Gesundheitspolitik auf dem Prüfstand

Zwei Tage vor der Landtagswahl wurde es auf dem Podium politisch: In der Wahlarena diskutierten die HÄVBW-Vorsitzenden mit den gesundheitspolitischen Sprecher:innen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen, SPD und FDP über die Erwartungen an die nächste Legislaturperiode. Vor voll besetzten Reihen machten die Vorsitzenden gleich zu Beginn deutlich, worauf es jetzt ankommt: Das System braucht Entlastung – und das gelingt nur mit einer strukturierten Steuerung der Patient:innen in die passende Versorgungsebene. Die zentrale Forderung an die Politik lautete daher: Rückendeckung für die HZV als erprobtes Primärversorgungssystem. Neben der HZV standen auch Nachwuchsgewinnung, Bürokratieabbau, Digitalisierung und innovative Modelle wie HÄPPI auf der Agenda. Auch das Publikum brachte sich über digitale Abstimmungen aktiv ein.

> Positionen, Debatte, Stimmen

 

Startup-Pitch: Drei Minuten, fünf Lösungen

Nach der Berufspolitik ging es direkt in die Praxis: Beim Startup-Pitch präsentierten fünf junge Unternehmen ihre digitalen und teils KI-gestützten Lösungen für den Alltag in der Hausarztpraxis – kompakt, präzise und auf den Punkt. In jeweils 180 Sekunden zeigten die Teilnehmenden, wie sich Abläufe vereinfachen, Kommunikation verbessern und Teams spürbar entlasten lassen – von smarter Patientensteuerung bis zur Unterstützung bei Dokumentation und Telefonie. Am Ende hatte das Publikum das Wort: Per digitaler Abstimmung wurde Noteless zum Pitch-Sieger 2026 gewählt und sicherte sich einen kostenfreien Stand beim Hausärztinnen- und Hausärztetag 2027.

> Den Sieger und die starke Konkurrenz kennenlernen

 

First Five Academy: Abschied mit Aufbruchsstimmung

Ein festlicher Programmpunkt zum Abschluss: Beim Festabend wurden die Absolvent:innen der First Five Academy (FFA) verabschiedet. 46 FFA-Teilnehmende blickten auf zwei Jahre Fortbildung, Mentoring und Vernetzung zurück. Sie starten nun mit einem spürbaren Plus an Orientierung und kollegialem Rückhalt in die nächste Phase ihres Berufswegs. Die FFA richtet sich an Hausärzt:innen in den ersten fünf Jahren nach der Facharztprüfung und unterstützt dabei, den Schritt in den Praxisalltag gut vorbereitet zu gehen.

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