17. April 2026
Protest gegen GKV-Spargesetz: Hausarztpraxen verkleinern ihre Wartezimmer
Stuttgart, 3. Juni 2026. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg (HÄVBW) ruft seine Mitglieder auf, in der Woche vom 8. bis 12. Juni 2026 die Wartezimmerplätze zu reduzieren – als sichtbares Zeichen des drohenden Versorgungsverlusts. Anlass ist die erste Lesung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes (GKV-Spargesetz) im Deutschen Bundestag am 12. Juni 2026. Die Aktion ist Teil der bundesweiten Kampagne des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands www.hausarztpraxen-retten.de.
Das GKV-Spargesetz enthält eine sogenannte Fixkostendegression für die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV): Praxen, die neue Patientinnen und Patienten in die HZV einschreiben, sollen dafür finanzielle Abschläge erhalten. Wer mehr Menschen koordiniert versorgt, wird dafür bestraft. Der HÄVBW bewertet dies als strukturelle Versorgungsbremse mit direkten Folgen für die Versorgungssicherheit.
„Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag ein Primärversorgungssystem in HZV und Kollektivvertrag vorgenommen und bestraft mit diesem Gesetz jene Praxen, die genau das in der HZV seit Jahren erfolgreich umsetzen. Das ist versorgungspolitisch widersinnig“, erklärt Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Bundesvorsitzende und Landesvorsitzende des HÄVBW. „Wie viel damit tatsächlich eingespart würde, ist völlig unklar – der Schaden in der Versorgung dagegen absehbar massiv. Es droht eine Bestrafung der Praxen, die durch die Versorgung in der HZV das System nachweislich effizienter machen. Dieser Irrweg muss im parlamentarischen Verfahren korrigiert werden.“
Auch die Patientinnen und Patienten sind gegen Kürzungen bei den Hausarztpraxen. Eine aktuelle repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey zeigt: Für 95,7 Prozent der Befragten in Baden-Württemberg ist die Sicherung der hausärztlichen Versorgung wichtig oder sehr wichtig. Nur 1,2 Prozent sehen bei Hausarztpraxen Sparpotenzial.
Statt Praxen zu schließen, macht der HÄVBW mit der Protestwoche den drohenden Versorgungsverlust greifbar: „Wir fordern alle Praxen im Land auf, jeden zweiten Platz im Wartezimmer zu sperren, als sichtbares Zeichen für die Gefährdung der hausärztlichen Versorgung vor Ort. Am 12. Juni entscheidet der Bundestag in erster Lesung. Gemeinsam mit unseren Patientinnen und Patienten werden wir die Abgeordneten auffordern, diesen versorgungsfeindlichen Eingriff zu stoppen", erklärt Dr. Susanne Bublitz, Landesvorsitzende des HÄVBW.
Aktiv werden können Patientinnen und Patienten direkt über die Kampagnenseite www.hausarztpraxen-retten.de: Mit wenigen Klicks lässt sich dort eine persönliche Nachricht an die eigenen Bundestagsabgeordneten senden – um eine Stärkung statt Schwächung der Hausarztpraxen einzufordern. QR-Codes auf den Wartezimmeraushängen und auf den gesperrten Stühlen leiten direkt auf die Seite.
Hintergrund
Über die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV)
Die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) ist ein freiwilliges Versorgungsangebot, in dem Versicherte sich für eine Hausarztpraxis als ersten Ansprechpartner entscheiden. Die Hausarztpraxis koordiniert die Behandlung und bindet bei Bedarf gezielt spezialisierte fachärztliche Strukturen ein. In Baden-Württemberg bestehen mit nahezu allen Krankenkassen Hausarztverträge, in die über 3,3 Millionen Versicherte eingeschrieben sind. Bundesweit sind es 11 Millionen Versicherte. Die Effekte der HZV werden regelmäßig durch die Universitäten Heidelberg und Frankfurt wissenschaftlich hinsichtlich Versorgungsqualität und Wirtschaftlichkeit evaluiert.
Zu den aktuellen Ergebnissen: haevbw.de/evaluation
Über die Civey-Umfrage
Civey hat für den Hausärztinnen- und Hausärzteverband e. V. vom 22.5. bis 25.5.2026 online 5000 Bundesbürgerinnen und Bundesbürger ab 18 Jahren befragt. Die Ergebnisse sind aufgrund von Quotierungen und Gewichtungen repräsentativ unter Berücksichtigung des statistischen Fehlers von 2,6 Prozentpunkten beim jeweiligen Gesamtergebnis. Die Ergebnisse auf Ebene der Bundesländer sind repräsentativ auf Basis einer modellbasierten, statistischen Methode für kleine Datenräume. Der statistische Fehler auf Ebene der Bundesländer liegt zwischen 4,0 und 6,1 Prozentpunkten. Weitere Informationen zur Methodik finden Sie hier. Alle Ergebnisse der Umfrage und sämtliche Presseunterlagen finden Sie unter: haevbw.de/presse
-> Übersicht der Umfrageergebnisse für Baden-Württemberg
-> Pressemitteilung und Umfrageergebnisse bundesweit
Über den Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg ist einer von 18 Landesverbänden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands. Er vertritt die Interessen von über 4.600 Hausärztinnen und Hausärzten in Baden-Württemberg gegenüber der Ärztekammer, der Kassenärztlichen Vereinigung, den Krankenkassen und den Landesministerien. Alle Aktivitäten des HÄVBW sind auf der Website des Landesverbandes (haevbw.de) ersichtlich.
Kontakt (Pressestelle):
HÄVBW, Tel.: 0711 21747-547, presse@haevbw.de