28. August 2026

Gesetz zur Primärversorgung: Das fordert der HÄV

Junge niedergelassene Hausärztin sitzt am Schreibtisch im Patientengespräch.

Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband (HÄV) hat ein umfassendes Forderungspapier zur Einführung eines verbindlichen hausärztlichen Primärversorgungssystems vorgelegt. Darin formuliert der Verband sechs konkrete Forderungen zu Qualität, Zugang, HZV, Teamversorgung, digitaler Infrastruktur und Verbindlichkeit.

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag die Einführung eines verbindlichen Primärversorgungssystems vorgenommen. Hausarzt- und Kinderarztpraxen sollen darin zur festen ersten Anlaufstelle für Patient:innen werden und die Koordination im Gesundheitssystem übernehmen. Was genau es dafür braucht, hat der HÄV nun in sechs konkreten Forderungen formuliert.

HZV als Fundament der Reform

Zentral ist die Rolle der Hausarztzentrierten Versorgung. Mit der HZV existiert bereits ein funktionierendes hausärztliches Primärversorgungssystem, an dem bundesweit über elf Millionen Menschen teilnehmen. In Baden-Württemberg ist die HZV besonders stark verankert: Drei von vier Hausarztpraxen nehmen teil, 3,3 Millionen Versicherte sind eingeschrieben. Wissenschaftliche Untersuchungen der HZV in Baden-Württemberg zeigen, dass hausärztliche Steuerung funktioniert und die Versorgung nachhaltig verbessert.

„Das Primärversorgungssystem steht und fällt mit den Hausarztpraxen. Die Marschroute lautet: Mehr HZV, mehr Verbindlichkeit, mehr Teamversorgung", erklärt die Bundesvorsitzende Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, die zugleich Co-Landesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg (HÄVBW) ist. Die HZV sei nicht nur der Innovationsmotor des Gesundheitswesens, sondern auch finanziell unverzichtbar für zigtausende Hausarztpraxen. An ihr dürfe in keiner Weise gerüttelt werden.

Sechs Forderungen für den Reformerfolg

Das Forderungspapier adressiert die Themenfelder Qualität, Zugang, HZV, Teamversorgung im HÄPPI, digitale Infrastruktur und Verbindlichkeit. Prof. Dr. Buhlinger-Göpfarth machte deutlich, dass die Reform ein Mammutprojekt sei, bei dem auf Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann einiges an Arbeit zukomme. Gleichzeitig liege darin die große Chance, die Versorgung der Menschen zu modernisieren.

Verbindlichkeit für Patient:innen mitdenken

Ein Aspekt, der in der öffentlichen Debatte bisher oft nur angeschnitten wurde, betrifft die Verbindlichkeit für Patient:innen. Das Forderungspapier setzt hier auf freiwillige Teilnahme mit klaren Vorteilen für Teilnehmende. Wer sich für diese Vorteile entscheide, müsse sich dann aber auch an die Regeln halten. Für den Fall, dass Versorgungswege bewusst umgangen werden, brauche es nachvollziehbare Konsequenzen. Patientensteuerung funktioniere am besten, wenn Steuerungsvorteile und Verbindlichkeit zusammen gedacht werden.

Baden-Württemberg als Blaupause

Für die Hausärzt:innen in Baden-Württemberg bestätigt das Forderungspapier, was im Land längst gelebte Praxis ist: Die HZV funktioniert, sie ermöglicht eine bessere Versorgung und sie bietet den Praxen wirtschaftliche Stabilität. „Wenn es an das geplante Gesetz zur Primärversorgung geht, muss die Bundesregierung nach Baden-Württemberg schauen", fordern die Vorsitzenden des HÄVBW, Dr. Susanne Bublitz und Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth.

Weitere Informationen

-> Zum Forderungspapier

 

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