05. Februar 2026
Die Zukunft der Primärversorgung: Ministerin besucht "Hausärzte am Spritzenhaus"
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) informierte sich in Baiersbronn darüber, wie moderne Primärversorgung im ländlichen Raum gelingen kann. In der Praxis "Hausärzte am Spritzenhaus" von HÄVBW‑Vorstandsmitglied Prof. Dr. Wolfgang von Meißner erhielt sie Einblicke, wie die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) und HÄPPI in Baiersbronn gelebt werden. Am Termin nahmen zahlreiche Vertreter:innen aus Politik, Selbstverwaltung, Krankenkassen und Digitalisierung teil.
Im Zentrum des Austauschs stand die Frage, wie die medizinische Versorgung im ländlichen Raum langfristig gesichert werden kann. Beim Rundgang durch die Praxis erhielt die Ministerin Einblicke in einen Arbeitsalltag, der auf digitalen Prozessen, strukturierten Abläufen und klar definierter Teamarbeit basiert – vom Self‑Check‑in über die Praxis-App bis hin zu Backoffice‑Strukturen, die Aufgaben zielgerichtet koordinieren.
Bundesgesundheitsministerin Warken hob die Bedeutung einer gesteuerten Primärversorgung hervor: „Hausärztinnen und Hausärzte übernehmen schon heute eine der zentralen Rollen in unserem Gesundheitssystem. Mit dem geplanten Primärversorgungssystem schaffen wir mehr Navigation, eine schnellere Versorgung entsprechend der medizinischen Notwendigkeit und einen zielgerichteten Einsatz von Ressourcen. Digitale Elemente wie Ersteinschätzung oder Terminvergabe spielen dabei eine zentrale Rolle.“
HÄPPI in der HZV: Strukturwandel mit Evidenz
Ein Schwerpunkt des Besuchs war das Konzept HÄPPI, das gesteuerte Versorgung in der HZV, digitale Unterstützung, Teamarbeit und klare Delegation verbindet – und in Baiersbronn längst gelebter Praxisalltag ist.
„HÄPPI ist der persönliche Health Hub der Patientinnen und Patienten – von digitaler Ersteinschätzung über Hausbesuche und Telemedizin bis zur asynchronen Betreuung“, sagte Dr. Susanne Bublitz, Co‑Landesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg. „In Verbindung mit der HZV können Praxen ihre Strukturen gezielt für eine moderne, erreichbare Versorgung weiterentwickeln.“
Die Bundesvorsitzende und Co-Landesvorsitzende Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth verwies dabei auch auf die aktuelle HZV‑Evaluation 2025, die die Wirksamkeit erneut bestätigt: „Die HZV ist seit Jahren evidenzbasiert und zeigt messbare Vorteile – weniger unnötige Facharztkontakte, weniger vermeidbare Krankenhausaufenthalte und eine intensivere Betreuung chronisch erkrankter Menschen. HÄPPI ist die logische Weiterentwicklung dieser strukturierten Versorgung: interprofessionell, digital unterstützt und patientenzentriert.“ Auch der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg Johannes Bauernfeind betonte: „Versorgungsangebote wie HZV und HÄPPI sowie unsere Facharztverträge, die nachweislich Steuerung und Qualität verbessern, sollten für alle Versicherten realisiert werden.“
Teamorientierte Versorgung braucht stabile Rahmenbedingungen
Auch Prof. von Meißner unterstrich die Rolle der HZV als Fundament für Innovationen: „Alles, was wir hier in Baiersbronn aufgebaut haben, konnten wir nur tun, weil es die HZV gibt. Sie schafft den notwendigen Raum, um Versorgung im Team vor Ort zu gestalten.“
Von Meißner setzt in der Versorgung auf Physician Assistants (PA): „Der Engpass ist nicht medizinisches Wissen, sondern verfügbare Arbeitszeit. Teampraxis bedeutet: Aufgaben werden nach Kompetenz verteilt. Physician Assistants übernehmen delegierbare Leistungen, damit Ärztinnen und Ärzte Zeit für komplexe Entscheidungen haben.“
Verlässliche Versorgung als Standortfaktor
Die Landtagsabgeordnete Katrin Schindele (CDU) hob die Bedeutung einer starken Primärversorgung für strukturschwache Regionen hervor: „Zur Stärkung des ländlichen Raums ist eine wohnortnahe, verlässliche Primärversorgung ein zentraler Standortfaktor. Funktionierende Konzepte wie HZV und HÄPPI müssen politisch unterstützt werden, um Versorgung zu sichern und das System finanzierbar zu halten.“
Digitale Entwicklung: Das „Baiersbronner Modell“
Großes Interesse galt auch der digitalen Weiterentwicklung der Praxis. Prof. von Meißner stellte das sogenannte „Baiersbronner Modell“ vor – darunter eine eigens entwickelte Praxis-App, die Kommunikation bündelt, Abläufe automatisiert und die Teamarbeit effizient unterstützt.
Unter den Gästen befanden sich unter anderem Johannes Bauernfeind (Vorstandsvoritzender der AOK Baden-Württemberg), Dr. Karsten Braun (Vorstandsvorsitzender Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg), Dr. Florian Fuhrmann (Vorsitzender der Geschäftsführung gematik) und Dr. Wolfgang Miller (Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg).