14. Mai 2025

Gemeinsam für die Zukunft der hausärztlichen Versorgung

Am 14. Mai 2025, dem Tag der Hausarztmedizin, lud der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg Landtagsabgeordnete, Vertreter:innen der Krankenkassen sowie Verbandsvertreter:innen zu einem berufspolitischen Frühstück ein. Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam über die Zukunft der hausärztlichen Versorgung zu diskutieren und Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen zu entwickeln.
 

Prof. Dr. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands Baden-Württemberg und Bundesvorsitzende, sowie Dr. Susanne Bublitz, ebenfalls Vorsitzende des Verbands, eröffneten die Veranstaltung mit einer Begrüßung der Gäste. Beide betonten die Bedeutung des Aktionstags, der die Leistungen der hausärztlichen Teams würdigt und gleichzeitig auf die Herausforderungen hinweist, die es zu bewältigen gilt.
„Die hausärztliche Versorgung ist das Fundament unseres Gesundheitssystems – und es ist an der Zeit, dieses Fundament gezielt zu stärken“, erklärte Prof. Dr. Buhlinger-Göpfarth.

Hausärztliche Perspektiven zu einem Primärarztsystem

In ihrem Impulsvortrag machte Prof. Dr. Buhlinger-Göpfarth deutlich, dass das deutsche Gesundheitssystem an einem Wendepunkt steht: „Wir haben eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, das dennoch dem tatsächlichen Bedarf oft nicht gerecht wird.“ Sie verwies auf die Herausforderungen durch Über-, Fehl- und Unterversorgung und forderte eine konsequente Umsetzung eines verbindlichen Primärarztsystems. Ein solches System, das die Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle etabliert, sei nicht nur eine Lösung für die aktuellen Probleme, sondern auch ein wichtiger Schritt hin zu einer nachhaltigeren und effizienteren Versorgung.

Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) als Erfolgsmodell

Dr. Susanne Bublitz stellte die Erfolge der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) in den Mittelpunkt ihres Beitrags. Mit über 3 Millionen teilnehmenden Versicherten allein in Baden-Württemberg und einer nahezu flächendeckenden Beteiligung der Hausärztinnen und Hausärzte ist die HZV ein Vorzeigemodell für Versorgungskoordination.

„Die HZV zeigt, dass ein Primärarztsystem funktioniert – und zwar nicht nur theoretisch, sondern in der Praxis. Die wissenschaftliche Evaluation belegt deutliche Verbesserungen in der Patientenversorgung, von der Steuerung und Koordination bis hin zur Reduktion unnötiger Krankenhausaufenthalte. Diese Effekte gibt es aber nur, wenn die Rahmenbedingungen stimmen – und das ist bei der HZV der Fall“, betonte Dr. Bublitz.

Das Motto des diesjährigen Aktionstags, „Hausarztprogramm – meine erste Wahl“, unterstreicht die Bedeutung der Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle im Gesundheitswesen – ein Ansatz, der durch die HZV bereits erfolgreich umgesetzt wird.

HÄPPI: Ein Konzept für die Zukunft

Ein weiteres Highlight der Veranstaltung war die Vorstellung des HÄPPI-Konzepts (Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell). Dieses innovative Modell zeigt, wie Praxen durch Digitalisierung, neue Teamstrukturen und den Einsatz akademisierter Gesundheitsberufe zukunftsfähig gemacht werden können.

„HÄPPI stärkt nicht nur die Praxen, sondern erhöht auch die Versorgungskapazitäten – ein entscheidender Faktor angesichts des Ärztemangels“, erklärte Dr. Bublitz. Besonders in ländlichen Regionen, wo Praxen oft stark unter Druck stehen, bietet HÄPPI Lösungen für die Herausforderungen des Ärztemangels.

Eine lebendige Diskussion mit politischem Rückenwind

Ein Höhepunkt des Frühstücks war die engagierte Diskussion zwischen den Teilnehmenden – darunter zahlreiche Politiker:innen und Vertreter:innen des Gesundheitssystems. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Württemberg forderte die Landespolitik auf, die Praxen bei der Transformation ihrer Strukturen aktiv zu unterstützen. Insbesondere die Umsetzung digitaler Lösungen sowie die Förderung von Teampraxen mit neuen akademisierten Gesundheitsberufen seien essenziell. Auch die Aufwertung der Allgemeinmedizin im Studium, etwa durch die konsequente Umsetzung des Masterplans 2020, wurde als dringende Maßnahme hervorgehoben. Darüber hinaus müsse die HZV als Schlüsselinnovation anerkannt und politisch weiter gestärkt werden.

Gemeinsam stark für die Primärversorgung

Das berufspolitische Frühstück zeigte eindrucksvoll, wie wichtig der Dialog zwischen allen Akteuren im Gesundheitssystem ist. Nur gemeinsam können die Herausforderungen der hausärztlichen Versorgung gemeistert und die Weichen für eine nachhaltige Zukunft gestellt werden.

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